24.9.11 19.30, 20.45, 22.00 Uhr
Theater in einer Turnhalle beim Güterbahnhof



Jana Milena Polasek, Stefanie Grau


You must know where you stop and the world begins


Du musst wissen, wo du aufhörst und die Welt beginnt. Was sagst du nur Zuhause? Was sagst du nur, wenn dich niemand hört? Was traust du dich, dir selbst nur im Dunkeln zu sagen, nur in einem abgeschlossenen Raum, oder nur zu flüstern? Wann bist du sicher, dass du ganz allein bist? Wie groß muss der Raum sein, um etwas zu denken, was du niemandem sagen würdest? Größe eines Zimmers für dein Selbstgespräch? Braucht dein Tagtraum mehr Kubikmeter als dein Nachttraum? Hat Intimsphäre für dich etwas mit Unsichtbarkeit für die anderen zu tun? Ersetzt die Dunkelheit die Wände um dich? Hat ein Mensch das Recht auf ganz privaten Raum? Wie viel Erde braucht der Mensch?


Louise Bourgeois, Sophie Calle, Jenny Holzer. In seltener Radikalität findet sich in ihren Texten die Frage nach dem Wechselspiel von Erfahrungen im Innen und Aussen. Changierende Identitäten, Authentizität und Unverwechselbarkeit werden erkundet. Die drei bildenden Künstlerinnen gehen in unterschiedlichster Weise mit Sprache und Texten um, installieren sie, malen damit, formen sie zu Skulpturen oder verdichten sie zu erzählbaren Geschichten. Wir bringen ihre Texte hier zum Sprechen. Sie treffen auf Schauspielerinnen.


Das öffentliche Versammeln ist für uns nicht mehr zentral. Wohingegen das Zuhause-Sein, die eigenen Wände unser Lebensgefühl grundsätzlich bestimmen. In der Wohnung kommen wir zu uns. Wir vereinsamen dort. Die Wohnung bildet unseren Schutzraum, wo wir unsere Welt im Kleinen erschaffen und meist wunschgemäß unter unseres gleichen sind. Wo wir Angst haben dürfen und Geborgenheit finden.
Theater, egal wo es spielt, heisst: Sehnsucht danach, dem Geschehen zwischen Menschen oder einem einzelnen Menschen heimlich, aus größter Nähe zusehen zu dürfen, Zeuge zu werden, sich zu erbauen an seinem Handeln und Denken, sich davon verführen, abschrecken zu lassen.


Eine Turnhalle in einer kleinen Schule. Ein Raum voller Erinnerung, Assoziation und Prägung. Privat und kollektiv, da er in unser aller Kindheit zurückreicht. Zudem ein halböffentlicher Ort mit Regeln und konkreten Handlungsanweisungen. Hier untersuchen wir mit drei Schauspielerinnen, was Privatheit bedeutet, wann sie sich einstellt und wie viel Platz sie braucht.


Wir, Jana Milena Polasek und Stefanie Grau, haben uns am Schauspielhaus Zürich als Regie- und Bühnebildassistentinnen kennengelernt und dort unsere erste gemeinsame Inszenierung auf einem Hochhausdach beim Toniareal realisiert. Im Rahmen von GASTSPIELE Zürich City treten wir jetzt eine weitere Expedition in einen theaterfernen Zürcher Raum an.




Idee/ Regie/ Raum: Jana Milena Polasek und Stefanie Grau
Ton: Henrik Deert Lafrenz
Es spielen: Helena Dähler, Hannah Kobitzsch, Anina Polasek


Jana Milena Polasek studierte deutsche und italienische Literaturwissenschaften an der LMU München und der Università La Sapienza in Rom. Sie arbeitete u.a. als Regieassistentin und Regisseurin am Schauspielhaus Zürich, am Maxim Gorki Theater und am HAU (Hebbel am Ufer) in Berlin.


Stefanie Grau
studierte Innenarchitektur und Bühnenbild in Wismar und Berlin. Danach führte sie ihre Arbeit als Bühnebildassistentin und Bühnenbildnerin u.a. ans Schauspielhaus Zürich und das Burgtheater in Wien.


Helena Daehler, *1987 in Zürich, erhielt ihre Ausbildung an der Schauspielschule EFAS.Während des Studiums spielte sie u.a. im Kinofilm «Nordwärts» (Regie: Silvio Gerber, HR Sarah) und im Stück «Ödipus und seine Kinder» im Schauspielhaus Zürich (Regie: Sebastian Nübling, Frauenchor). Ab kommendem Herbst wird sie am alten Schauspielhaus Stuttgart in «Kohlhaas 21» zu sehen sein. Helena Daehler lebt und arbeitet in Berlin.

Hannah Kobitzsch wurde in Berlin geboren und studierte an der Theaterhochschule Zürich. Sie war Ensemblemitglied am Zimmertheater Tübingen und bei den Freilichtspielen Schwäbisch Hall, als Gast war sie unter anderem am Staatstheater Karlsruhe, bei der freien Gruppe FARADAYCAGE, bei den Ruhrfestspielen Recklinghausen und am Schauspielhaus Zürich engagiert. Als Sprecherin hat sie beim DRS, SWR und beim Härter Verlag bei CD-Aufnahmen mitgewirkt. Mit dem mehrfach ausgezeichneten Kurzfilm «Graphit auf Leinwand» war sie auf diversen Kurzfilmfestivals zusehen. Derzeit arbeitet sie frei in Deutschland und der Schweiz.

Anina Polasek, 1982 in Starnberg geboren, wirkte zwei Jahre in einem Tanztheaterprojekt in München mit, bevor sie ihre Schauspielausbildung am Schauspiel München erhielt. Während ihrer Ausbildung spielte sie in zahlreichen Kurzfilmen der Münchner Hochschule für Film und Fernsehen. Als Liedersängerin sang sie u.a. bei der Langen Nacht der Musik in München. Zuletzt spielte sie im «Erdbeben in Chili» von Heinrich von Kleist in der Pasinger Fabrik.



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