Sa 24.9.11 19.30, 20.45, 22.00 Uhr
NEUER SPIELORT: Theater/Installation in einem Bürogebäude bei der Utobrücke



Daniel Mezger, Jan Stephan Schmieding, Stefanie Grau



Stadt der Zombies

«aber das sei doch irgendwie logisch. wenn da der input den output übersteigen würde, das könne man sich doch vorstellen, was da passiere. irgendwann sei man überfressen. und dann stopfe man noch mehr in sich hinein. noch mehr tanzkurse und angewandte kunsttheorie. noch mehr kommunikationskurse und yoga-workshops. und dann: buff! – buff! müsse das machen. irgendwann mache es doch buff! und man explodiere. aber dieses explodieren sei eben noch nicht anerkannt. sonst könnte ja die halbe stadt von der krankenkasse leben».




Drei Menschen um die dreissig, sitzen in einer Wohnung rum, reden über die jeweils abwesende Person. Benutzen sie, um ihr eigenes Leben auf den Punkt zu bringen. Theoriegebäude werden zusammenfabuliert, und es wird immer unklarer, ob sie sich ihre Sätze glauben, oder ob sie sich bloss dahinter verstecken. Alle drei sollten eigentlich in der so genannten Kulturwirtschaft tätig sein, sie sind irgendwann einmal in diese Stadt gezogen, um ihre Träume zu verwirklichen. Und haben vor lauter Nebenjobs, Auf-den-grossen-Kick-Warten und Noch-nicht-voll-Dabeisein langsam vergessen, was sie eigentlich wollten. Unterbeschäftigt aber übermässig angespannt. Sie reden von dieser Stadt, wissen wie man in dieser Stadt leben sollte und wie nicht. Haben Angst davor, den richtigen Zeitpunkt, ihre grosse Chance zu verpassen und damit das ganze Lebensglück.




«nein-nein, würden die sagen, wir sind keine zombies! wir sind nur temporär-zombies! – temporär-zombies… so wie sie ja nur temporär arbeiteten. in den kneipen. oder beim schneeräumungsdienst.»




Stadt der Zombies, ein aberwitziges und abgründiges Generationenportrait, unternimmt eine Besichtigung. Sind diese Menschen erst gerade eingezogen, ziehen sie gleich aus? Oder wollen sie sich bloss nicht wohnlich einrichten in ihren Warteschleifen? Man muss sich ja die Möglichkeiten offen halten. Flucht in die Unabhängigkeit, koste es, was es wolle. Bindungen vermeiden, ob an Menschen, Berufe oder eben Orte.



«der komme vielleicht nie, der tag X. aber vielleicht komme der doch. aber vielleicht habe man ja gerade am tag davor gesagt: nein, so läuft das nicht! so geht das nicht! und man habe alle seine fähigkeiten wieder eingepackt und sei gegangen. und die ganze stadt würde unterdessen auf einen warten. man selber im zug. oder an der autobahnausfahrt mit dem pappschild. und hier? hier in der stadt? der tag X!»




Stefanie Grau, Jan Stephan Schmieding und Daniel Mezger wollten schon ewig zusammen arbeiten, aber vor lauter Flexibilität kam es nie dazu. Einen Gruppennamen haben sie sich auch nicht zugelegt, ja nicht festlegen jetzt! Die Fäden der drei laufen aber in Zürich zusammen, und so ist es nur logisch, dass sie bei GASTSPIELE Zürich City ihre gemeinsame Wohnung beziehen.





Text: Daniel Mezger
Regie: Jan Stephan Schmieding
Installation: Stefanie Grau
Musik: Martin Schulthess
Es spielen: Miriam Wagner, Stephan Stock, Daniel Mezger

Daniel Mezger, *1978, aufgewachsen in Linthal (GL), ist Autor, Schauspieler und Musiker. Er ist gut gefördert und selten gespielt, nahm an allen (!) möglichen Stückemärkten und letztes Jahr am Wettlesen um den Bachmannpreis teil.

Jan Stephan Schmieding, *1975 in Oberhausen (NRW). Bevor er zum Theater-Nomaden wurde, studierte er Literatur, Politikwissenschaften und Geschichte. Drei Jahre verdingte er sich am Schauspielhaus Zürich, 2008 inszenierte er dort MEIN JUNGES IDIOTISCHES HERZ von Anja Hilling. Inszenierungen von ihm waren zu sehen am Stadttheater Bern, am Theater Basel und am Theater Bonn.

Stefanie Grau, *1978, studierte erst Innenarchitektur, dann Bühnenbild und arbeitete in: Berlin, Hannover, Rheinsberg, Wien und nicht zuletzt in Zürich.

Martin Schulthess,*1977, absolvierte die Jazzschule Zürich. Als Gitarrist aktiv bei A BANG AND A WHIMPER, nebenbei schwer beschäftigt mit Bachs Lautensuiten. Sonst vor allem beim Unterrichten anzutreffen.

Miriam Wagner, aufgewachsen in Weiden/Oberpfalz, Magister Artium Schauspiel 2003 am Mozarteum Salzburg, spielte bisher in Berlin, Erlangen, Augsburg, Regensburg, Zürich, Lyon, Reims, , Montluçon, Hamburg, München, Barcelona, Sölden, Masa-y-Sharif, Kortrijk, Maubeuge, Salzburg, Wien, Pritzwalk, Frankfurt a.M., Kostrzyn, Paris und Chur.

Stephan Stock, geboren 1985 in Rheinfelden (Deutschland), erst sehr spät ergriffen vom Fieber, auf der Bühne zu stehen. Nach seinem staatlich anerkannten Abitur an der Waldorfschule Lörrach arbeitete er 4 Jahre beim Theater Tempus fugit, dem grössten freien Theater Lörrachs. Danach besuchte er die Hochschule der Künste in Bern, machte dort seinen Bachelor und studiert zurzeit an der Zürcher Hochschule der Künste im Master. Bisherige Engagements führten ihn als Praktikantenschauspieler ans Stadttheater Biel/Solothurn und in die Statisterie des Zürcher Schauspielhauses.



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