24.9.11 19.30, 20.45, 22.00 Uhr
Alte Musik in einem Wohnzimmer beim Römerhof



Christoph Mohr, Reymond Huguenin Dumittan


Ortiz, Marais, Weiss


Gambe und Laute waren im 16. und 17. Jahrhundert als häusliche Musikinstrumente auf Grund ihres als «süss und bezaubernd» gepriesenen Klanges äusserst beliebt. Die Gambe wurde insbesondere an den europäischen Höfen sehr geschätzt: Man empfand ihren verhältnismässig leisen Ton als edel, gerade im Vergleich zur Violine, die – so war die Meinung – als ordinäres Instrument für umherziehende Musikanten geeignet war, die zum Tanz aufspielten.
Die Stücke dieses Programmes wurden denn auch alle von Komponisten geschrieben, die während mehreren Jahren als Hofmusiker angestellt waren. Die Intimität, die mit dem feinen Spiel dieser Musiker einherging, war mitunter der ausschlaggebende Faktor für die Bevorzugung seitens der Fürsten und Aristokraten. Louis XIV etwa liess sich diese Musik im Rahmen seiner Mussestunden im hochprivaten Cabinet vortragen.

Diego Ortiz (1510/1525(?) – 1570)
Der spanische Komponist und Musikologe war einer der ersten, der seine Werke ausschliesslich für die Gambe schrieb. Von 1553 an wirkte er am vizeköniglichen Hof in Neapel und veröffentlichte eine auch heute noch oft konsultierte Verzierungslehre.

– Recercada (1553)

Marin Marais (1656 – 1728)
Als erfolgreicher Komponist und Gambist dominierte die französische Gambenmusik seiner Generation. Zusammen mit seinem Freund und Kollegen Jean Baptiste Lully war er unverzichtbarer Teil aller Versailler Musikdarbietungen. Marais schildert in seiner Komposition Tableau de l'opération de la taille nichts Geringeres als die operative Entfernung von Gallensteinen in der spezifischen Handhabung seiner Zeit. Da Marais den Eingriff in schnonungsloser Detailtreue wiedergibt, gilt sein Stück heute nicht nur als ein frühes, sondern auch als eines der bizarrsten Beispiele von Programmmusik.

– Einzelne Sätze aus der Suite in D-Dur aus dem 2ème Livre (1701)
– Tableau de l'opération de la taille (1725)


Silvius Leopold Weiss (1687 – 1750)
Der deutsche Komponist und Lautenist war von 1718 bis zu seinem Lebensende königlicher Kammerlautenist am Hof des Kurfürsten von Sachsen. Der Zeitgenosse und gute Bekannte von J.S. Bach hat mit über 500 Werken für Sololaute ein immenses Repertoire für dieses Saiteninstrument hinterlassen. Seine Stücke wurden erst im 20. Jahrhundert durch Veröffentlichungen wiederentdeckt.

– Prélude und Passagaille in D-Dur




Viola da Gamba: Christof Mohr:
Theorbe und Barocklaute: Reymond Huguenin Dumittan


Christof Mohr studierte in Zürich bei Claude Starck Violoncello und bildete sich bei Paul Tortelier weiter. Mit Alter Musik beschäftigte er sich in seiner Ausbildung auf dem Barockcello bei Christoph Coin und der Gambe bei Brian Franklin. Seither widmet er sich einem vielseitigen Repertoire in unterschiedlichen Formationen wie dem Ensemble Musicamaretto oder als Continuospieler. Ein besonderes Anliegen ist ihm die englische Consortmusik, die er im Ensemble mit Brian Franklin und Martin Zeller aufführt. Zudem ist er Mitglied des Orchesters der Oper Zürich.


Reymond Huguenin Dumittan studierte zunächst klassische Gitarre bei Christoph Jäggin in Zürich. Schon während des Studiums begann er sich intensiv mit Theorbe, Barockgitarre und historischer Aufführungspraxis zu beschäftigen. Nach Abschluss des Studiums widmete er sich ganz der Alten Musik und spezialisierte sich auf das Spiel von historischen Instrumenten wie der Renaissance- und Barocklaute. Seine wichtigsten Lehrer waren Kees Boeke und Eduardo Egüez. Reymond Huguenin Dumittan lebt als freischaffender Lautenist und Theorbist in der Nähe von Zürich.



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