Sa 24.9.11 19.30, 20.45, 22.00 Uhr
Einladung/Performance mit Sicht auf das Migroshochhaus am Limmatplatz


tumova&guests


friendly curating # four
Special guest: Chuck Morris

Erst willkommen, dann unterhalten, später in Schutz genommen, schliesslich hinausgeworfen: Gast-Sein ist ein temporärer Zustand. Wer sind wir, wenn wir Gast sind? Was hat es auf sich mit der Gastfreundschaft? Gibt es «den Gast» ohne Gastgeber?

«Wenn wir gewöhnlich von Gastfreundschaft sprechen, meinen wir kaum mehr als die Freundlichkeit, die wir einem Gast entgegenbringen. Dass Gastlichkeit der erste Schritt zu einer Freundschaft sein kann, wird wohl niemand anzweifeln. Wie aber, wenn das Gastsein die innerste Struktur von Personen ausmachte, die einander zu Freunden werden können?»
Hans-Dieter Bahr

tumova lädt ein. Sie ist die Gastgeberin. Sie sind eingeladen, einer Einladung beizuwohnen. Die Stelle des unbedarften Dabeiseins aber ist besetzt. Was ist der Unterschied zwischen wohnen, beiwohnen und bewohnen? tumova ist ihrerseits Gast. Am anderen Ende der Schaltung sitzt ein weiterer Gastgeber und kuckt uns allen zu. Was geben wir zu sehen?

«Liebe Gäste, liebes Publikum, ob Sie wollen oder nicht, Sie sind schon mittendrin.»

Wie verhalte ich mich in der fremden Wohnung? Wie fremd ist sie eigentlich, wo doch alle ihre Möbel im selben Laden kaufen – dort, wo individuelles Design noch etwas zählt? Wo ist das Geschenk? Was bringe ich mit, wenn ich die Gastgeberin nicht kenne? Wer geht zuerst rein? Eine Einladung ist ansteckend. In ihr wohnt ein Parasit: Das Beiwohnen, das Dabeisein und Beobachten, zieht Beteiligung nach sich. Ob herzlich eingeladen, willkommen oder unerwünscht, der Status des Gast-Seins lässt sich nicht vermeiden. Was sind die Regeln? Was steht mir zu, was habe ich zu leisten?
Im Schwellenbereich des Provisorischen ist niemand mehr «bei sich». Und weil alle überall und nirgends sind, wird man nie da sein, weil man nie fort war. Gast-Sein ist vorübergehend und beschreibt dabei doch einen permanenten Zustand. Restlose Zugehörigkeit ist unmöglich, denn ein Teil bleibt immer fremd und ausgeschlossen - irgendwo.

Fühlen Sie sich wie Zuhause. Seien Sie dabei, wenn die Spirale des Gast-Gastgeber-Seins ihre Schlingen auswirft und der Fernseher, die rituelle Feuerstelle, den Herd in der Stube ersetzt. Es bleibt nur noch zu fragen: Was ist eigentlich mit der Gästin?


Im Rahmen der Reihe friendly curating lädt tumova seit Frühling 2010 jeweils Gäste aus Kunst und Philosophie ein, über unterschiedliche Fragestellungen nachzudenken. Bisher fanden statt:
friendly curating #one unter der Geste der Freundschaft
friendly curating #two mit der Frage «Was ist Performance Kunst?»
friendly curating #three unter dem Titel dance and consumption



Lucie Tuma, geboren und aufgewachsen in Zürich, lebt und arbeitet seit Herbst 2010 wieder vorwiegend in Zürich. 2010 schloss sie ihr Studium der Angewandten Theaterwissenschaft an der Justus-Liebig Universität in Giessen (D) ab, 2009 nahm sie bei Ex.exerce am CCN (Centre National du Choréographie, Montpellier F) bei Mathilde Monnier teil. Lucie interessiert sich für die Schnittstelle von Theorie und Praxis. Sie lehrt an der F+F Schule für Kunst und Mediendesign Zürich im Bereich Non-Fiction Film und arbeitet in unterschiedlichen Konstellationen als Autorin, Regisseurin/Choreografin, Performerin oder Dramaturgin. Je nach Projekt entwickelt sie Texte, Objekte, Installationen, Bühnenstücke, Lectures, Audio- und Videoarbeiten. Zusammen mit Cecilie Ullerup Schmidt ist sie das Künstlerinnenduo Chuck Morris, (gegründet 2008 in Giessen). Als tumova verfolgt sie Soloprojekte, meist unter der Nutzung von Alltagstechnologien und in theaterfremden Räumen. Momentan recherchiert sie unter dem Titel made in here zu Phänomenen der Passivität und widmet sich künstlerischer Praxis als Forschung.


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